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Presseartikel vom 04.03.2008 aus der OTZ. Scheibe des Binderschen Hauses eingeworfen Wir lassen uns nicht einschüchtern. - Philipp Gliesing vom ABC geht von antisemitischer Reaktion aus Pößneck (OTZ/mko). In der Nacht zum Samstag ist ein weiteres Schaufenster im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses Breite Straße 2 in Pößneck eingeworfen worden. Mittlerweile sind drei der insgesamt 6 großflächigen Scheiben im ungenutzten Teil der Immobilie kaputt oder beschädigt. Das Aktionsbündnis Courage (ABC) aus Pößneck geht von einer antisemitischen Reaktion auf die Ankündigung aus, dass vor dem Gebäude "Stolpersteine" in Erinnerung an die deutschjüdische Familie Binder verlegt werden sollen, die hier einst lebte (OTZ vom 29. Februar). Die Polizeistation Pößneck ermittelt wegen Sachbeschädigung.> "Wir lassen uns nicht einschüchtern", erklärte Philipp Gliesing vom Aktionsbündnis und sah sich gestern mit anderen Mitgliedern der Initiative im Rahmen von Recherchen in dem Gebäude um. "Wie kann man garantieren, dass das nicht nochmal passiert?", lautet seine Frage, die in der nächsten Zeit auch mit Behörden erörtert werden soll. Wie zu hören war, sei auch schon an eine Kameraüberwachung gedacht worden. Im Zusammenhang mit dem internationalen Projekt "Stolpersteine", das vielerorts mit schwierigen Diskussionen einherging, ist Gliesing klar: "Vor uns liegt noch ein ganzes Stück Überzeugungsarbeit."> Während es im Erdgeschoss des ehemaligen Binderschen Hauses recht vernünftig aussieht, hinterlassen die oberen Geschosse einen sanierungsbedürftigen Eindruck. Dabei sei das Gebäude erst in den Jahren 1988 und 1989 erneuert worden. Während das Erdgeschoss nach längerem Leerstand einige Zeit bis Mitte des vergangenen Jahres sogar komplett vermietet war, sind die letzten Bewohner etwa 1999 ausgezogen. Zurück blieb in einigen Wohnungen Elektroschrott und auch Müll. In das Obergeschoss hat es hineingeregnet. Interessant ist, dass das Haus nicht nur im Besitz zweier israelischer Staatsangehöriger ist, die insgesamt fünf von sechs Anteilen halten: Das sechste Sechstel gehört einer Bürgerin der USA.> Auf die Initiativen des Aktionsbündnisses Courage wird allerdings nicht nur mit Steinen reagiert: Der Aufruf zur Mitarbeit an einer Dokumentation über die NS-Zeit in Pößneck (OTZ vom 23. Februar) habe zu "interessanten Kontakten" geführt, informierte Gliesing. So werde die Geschichtswerkstatt des Aktionsbündnisses Zeitzeugen aus Neustadt treffen, die in den 30ern und 40ern in der Hitlerjugend und bei der Waffen-SS gewesen seien und "über diese Zeit reden wollen". Ferner habe sich eine Neustädterin gemeldet, deren Mutter in der NS-Zeit denunziert worden sei, weil sie Zwangsarbeitern geholfen habe. Dieser Fall habe eine besondere Note: Nachfahren der damaligen Denunzianten seien heute in der rechten Szene aktiv.> |