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Für demokratische Kultur & Zivilcourage. Gegen Rechtsextremismus. |
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"An einem Novembertag": Trübes Tageslicht erblickt den kalte Morgen. Der Friedhof scheint von den Menschen verlassen. Ein Grab ist in weiße Rosen gebettet, eine Aufschrift ziert den grauen Grabstein. Plötzlich zeichnet der Weg blutige Springerstiefelabdrücke - tapsig und flapsig - sie gehen auf das Grab zu, besuchen ihr Opfer, erweisen ihm die letzte Ehre - natürlich mit dem Hitlergruß. Zurück bleibt das mahnende Grab und der traurige, erzitternde Friedhof. Da fliegt eine weiße Taube vorbei; - im Schnabel eine blutgedrängte rote Rose. Sommer 2007 - von nirnaeth arnoediad "Menschenvernichtungsmaschine": Ein Todeshauch weht durch die dunklen Gräben. Schwarze Gestalten kauern vor Angst gelähmt - unfähig die müden Glieder zu bewegen. Verwesungsgeruch. Wandelnde Leichen schleppen sich in die Särge und in den Schädeln säuselt eine Todesmelodie. Feuchte Erde trinkt das warme Blut. Zermürbender Ausnahmezustand: - Krieg. April/Mai 2007 - von nirnaeth arnoediad
"Warum seht ihr uns so an?": Warum seht ihr uns so an? Sind wir nicht auch Menschen wie ihr? Warum seht ihr uns so an? Sind wir weniger wert als ihr Nur weil wir Kopftücher tragen? Ihr versteht unsere Sprache nicht Warum wollt ihr auch unsere Gefühle nicht verstehen? Ihr seht uns nur an Aber dabei seht ihr an uns vorbei! Warum nehmt ihr uns nicht Wie wir sind Versucht Uns dauernd zu ändern? Seht uns nicht nur an! Versucht uns zu sehen! Versucht uns kennen zu lernen! Versucht uns zu verstehen! Juni 07 Autor: Ümit "Rosen auf den Weg gestreut": Ihr müßt sie lieb und nett behandeln, erschreckt sie nicht - sie sind so zart! Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln, getreulich ihrer Eigenart! Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft -: Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft! Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt: "Ja und Amen - aber gern! Hier habt ihr mich - schlagt mich in Fetzen!" Und prügeln sie, so lobt den Herrn. Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft! Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft. Und schießen sie -: du lieber Himmel, schätzt ihr das Leben so hoch ein? Das ist ein Pazifisten-Fimmel! Wer möchte nicht gern Opfer sein? Nennt sie: die süßen Schnuckerchen, gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen ... Und verspürt ihr auch in euerm Bauch den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft -: Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten, küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft -! Kurt Tucholsky - März 07 "Landschaft": In meinem Land, da kann ich alles sagen. Ein jeder Stammtisch ist da Tribunal. In meinem Land gibt's keinen Grund, sich zu beklagen. Probieren Sie's aus - beklagen Sie sich mal! Maln Sie ein Schild: die Juden sind das Unglück. Schmiern Sie bei Nacht ein feistes Hakenkreuz. In meinem Land, da können Sie das wagen, sogar am Tag, ganz ohne Scheu. In meinem Land gießt man die Blumen hinterm Häuschen und lauscht dem Standkonzert der neuen Wehr. In meinem Land darf man schon wieder sagen: ein Mann wie Hitler müßte wieder her. Ein großer, schwarzer Adler ziert das Wappen: Vorn zackig, hinten aus Papiermaché, und wenn er frei hat, geht er Sonntagmorgen zum Revanchistentag der NPD. Wolf Brannasky - März 07 "Natur des Landes": An einem Samstagnachmittag, als sie am Rhein lagen, erkannte B die Natur seines Landes, sah den blauen Himmel, das lockende Wasser und das Schild am Ufer: Vorsicht! Lebensgefahr! Peter Maiwald - März 07 "Dialog mit der Jugend": Wer einen Dialog Herbeiführen will Muß sich herablassen Herabneigen Von sich absehen Sich zuwenden und zuneigen Muß nicht besitzen wollen Darf nicht besitzergreifend sein Nur wenig Vorschriften machen Besser keine Gelegentlich vorsichtig Empfehlungen anbieten Unsichtbar die Hand darüber halten Unhörbar anders denken Sich nicht als Erwachsener aufspielen Fehler nicht gleich als Schande empfinden Irrtümer gestatten Dennoch das Recht haben sich Sorgen Machen zu dürfen Kummer aufzuspüren und teilen Sich wechselseitig erziehen Sich gegenseitig ernst nehmen Zusammen essen und trinken Die Fantasie fördern Ungeduld kreativieren Aufbegehren durchhalten Zusammen traurig sein Nicht immer alles besser wissen Am besten nichts besser wissen Sondern trösten Ratlosigkeit teilen Wärme herstellen Bindungen spüren lassen Liebe Wer einen Dialog mit der Jugend Führen will Muß all diese Anstrengungen In besonderem Maße auf sich nehmen Muß all die Tugenden Doppelt und dreifach handhaben Mit der winzigen Hoffnung Dass die Jugend mit der Jugend Die unweigerlich nach ihr kommt Ähnlich umgehen wird Wer aber keinen Dialog Mehr führen will Und meint Seine Generation wäre die einzige Auf der Welt Danach käme nichts mehr Und davor wäre auch nichts gewesen Dem ist anscheinend alle Würde des Menschen Abhanden gekommen In dem ist dann wohl kein langer Atem Weder Furcht noch Fantasie Der befiehlt nur noch Verordnet kontrolliert Erzieht drastisch Kalt und ohne Religion Unpolitisch und ohne Bindung Dies ist schon bei vielen der Fall Und kann uns allen geschehen Den Alten und auch den Jungen Wenn wir nicht mehr miteinander reden Streiten Essen Pläne machen Uns an die Hand nehmen Uns umarmen Lebe-Wesen die wir sind Verloren die wir sind Wenn wir uns nicht mehr umarmen können und Frieden machen Hanns Dieter Hüsch - Februar 07 Aus: Rechtsextremismus. "Warum handeln Menschen gegen ihre eigenen Interessen?"; Ein `ran Buch für Jugendliche / Wilhelm Heitmeyer. - Köln: Bund-Verlag, 1991 "Wir, die Fremden ...": Wir, die Fremden, müssen schöner, sauberer, fleißiger, potenter, lustiger , anständiger, zuverlässiger und flexibler sein als die Einheimischen. Dabei sollten wir so schnell wie möglich auf unseren Stolz, unsere Sensibilität, auf Emotionen, Eigenheiten, Spitzen und Kanten verzichten. Warum eigentlich? Copyright: Rafik Schami, Quelle: Neue Alte Heimant Unstrut-Hainich-Kreis 2004 - Januar 07 "Fremde sind Leute ...": Fremde sind Leute, die später gekommen sind als wir: In unser Haus, in unseren Betrieb, in unsere Straße, Unsere Stadt, unser Land. Die Fremden sind frech: Die einen wollen so leben wie wir, Die anderen wollen nicht so leben wie wir. Beides ist natürlich widerlich. Alle erheben dabei Ansprüche auf Arbeit, Auf Wohnungen und so weiter, Als wären sie normale Einheimische. Manche wollen unsere Töchter heiraten, Und manche wollen sie sogar nicht heiraten, Was noch schlimmer ist. Fremdsein ist ein Verbrechen, Das man nie wieder gutmachen kann. Copyright: Gabriel Laub, Quelle: Neue Alte Heimant Unstrut-Hainich-Kreis 2004 - Januar 07 "Deutschland im Herbst": Deutschland im Herbst, es reifen die Birnen, es gärt der Most in den Stammtischgehirnen. Sie grölen Lieder von Ehre und Treu. Es dröhnt das "Doitschland den Doitschen" Geschrei, im Hirn zur braunen Soße vergoren, wurde den Fremden der Tod geschworen. Die Jungen, besoffen und ohne Verstand, setzten des Nachts ein Wohnheim in Brand. Und die braven Bürger, frisch gewendet, haben der Untat der Söhne Beifall gespendet. Da raunen die Toten aus uralter Zeit: "Deutschland, ist es schon wieder soweit?" Deutschland im Herbst, es fallen die Birnen, es brodelt die Scheiße in Spießergehirnen. Man fühlt sich als Sieger, man fühlt sich stark. Hart wie Kruppstahl und treu bis ins Mark. Laut brüllt man in die Nacht hinaus: "Doitschland, Doitschland, Ausländer raus!" Und als sie genügend Dröhnung im Magen haben sie den Antonio erschlagen. Die Polizei stand dabei, ließ es geschehen und später hatten sie nichts gesehen. Da schrien die Toten aus uralter Zeit: "Deutschland! Es ist schon wieder soweit!" Deutschland im Herbst, die Birnen verwesen, verwest auch das, was ein Mensch gewesen. Da brodelt auf einmal der Landwehrkanal. Ein Schrei in der Stille, ein schrecklich Fanal. Überall sind in den deutschen Landen die von Deutschen Ermordeten aufgestanden und haben noch in der selben Nacht alles, was deutsch war, umgebracht. Sie nahmen Rache für "Ehre und Treu" und all das "Doitschland den Doitschen" Geschrei. Still ist's jetzt, nur der Landwehrkanal murmelt "Deutschland, das war einmal..." (c) 1992 by Jörg Kantel - September 06 "Kinderhymne": Anmut sparet nicht noch Mühe Leidenschaft nicht noch Verstand Daß ein gutes Deutschland blühe Wie ein andres gutes Land. Daß die Völker nicht erbleichen Wie vor einer Räuberin Sondern ihre Hände reichen Uns wie andern Völkern hin. Und nicht über und nicht unter Andern Völkern wolln wir sein Von der See bis zu den Alpen Von der Oder bis zum Rhein. Und weil wir dies Land verbessern Lieben und beschirmen wir's. Und das liebste mag's uns scheinen So wie andern Völkern ihrs. Berthold Brecht - September 06 "Gedicht eines unbekannten Farbigen": Wenn ich zur Welt komme, bin ich schwarz; Wenn ich aufwachse, bin ich schwarz; Wenn ich krank bin, bin ich schwarz; Wenn ich in die Sonne gehe, bin ich schwarz; Wenn ich friere, bin ich schwarz; Wenn ich sterbe, bin ich schwarz; Aber Du! Wenn du zur Welt kommst, bist du rosa; Wenn du aufwächst, bist du weiss; Wenn du krank bist, bist du grün; Wenn du in die Sonne gehst, bist du rot; Wenn du frierst, bist du blau; Wenn du stirbst, bist du grau. Und Du wagst es, verdammt noch mal, mich einen Farbigen zu nennen? Autor: unbekannt - Mai 06 "Ich gehöre mir": Ich mein Kind! Bin Mutter und Vater meines Jetzt! Ich bin Traum und Wirklichkeit (Nichtschwimmer auf hoher See) Bin Lärm und (traurige) Stille Sieh: meine Hände: gehören mir! Mein Kopf, das Denken: allein meins! Die Füße, die mich tragen: mein Besitz! Das bin ich! Nimm deine Finger weg! Copyright by Skeptiker - November 05 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||